2011-12-15

Buenos Aires


Ich befinde mich wieder unter den Reisenden! Diesmal im frühlingshaften Argentinien… wo ich für eine Woche in einer Gastfamilie in Buenos Aires wohne und von dort aus die Stadt unsicher mache.



Bereits von dem was ich über Buenos Aires gehört hatte ich auf positive Überraschungen gehofft und wurde nicht enttäuscht. Ich hätte ich nicht gedacht, dass Buenos Aires so grün ist! Es gibt viele kleine und große Parks überall in der Stadt verteilt. Hier finden sich Sportfreunde, Familien und Künstler zusammen und kreieren eine einzigartige sorglos-Atmosphäre. Ich liebe es einfach durch die Innenstadt zu schlendern und die vielen Bars, Cafés, Restaurants und unabhängigen kleinen Läden zu erkunden, die Design und Antiquitäten verkaufen. UUUUUUUH, Antiquitäten!!!! Ich wusste nicht, dass ich Antiquitäten so sehr liebe oder jemals so sehr lieben würde! In Buenos Aires habe ich die außergewöhnlichsten und schönsten Antiquitäten entdeckt, die ich jemals gesehen habe. Liebevoll restaurierte Stücke, die vor ca. 100 bis 200 Jahren aus Europa, besonders Portugal, Italien und Groß Britannien eingeschifft wurden, wurden hier in Argentinien wieder hergerichtet und nun an Einwohner und auch Touristen aus aller Welt verkauft. Besonders schöne Antiquitäten findet man im Stadtteil San Thelmo und Palermo. Hier gibt es auch preiswerte Antik-Flohmärkte.

Thema Sicherheit:
Vor meiner Reise nach Südamerika waren viele meiner Freunde um meine Sicherheit besorgt. Südamerika gilt in Europa nicht gerade als sicher. Meine Erfahrung hierzu ist, dass die Stadt Buenos Aires lange nicht mehr so gefährlich ist, wie noch vor 10 Jahren. In meiner Woche dort hatte ich keinen einzigen gefährlichen Vorfall. Dies mag evtl. daran liegen, dass ich Einwohner hatte, die mir gesagt haben wo ich hingehen kann und wohin besser nicht. Die Ansässigen Leute haben sich gewisse Sicherheitsmaßnahmen angewöhnt, die sie nicht bewusst durchführen, da sie bereits so aufgewachsen sind. Diese sind:
  1. Sie warten immer bis die Haupttüre zum Gebäude geschlossen ist bevor sie weitergehen. Dies hilft keine Fremden oder Eindringlinge ins Haus zu lassen. In Buenos Aires sind (laut meiner Gastfamilie) Apartmenthäuser mit Sicherheitsmännern begehrter als Eigenheime, da die Sicherheit besser gewährleistet werden kann.
  2.  Sie schließen ihr Auto bei der Fahrt von Innen ab. Das ist bei den neuen Autos schon automatisch geregelt, ich verwende diese Funktion zu Hause jedoch nie. An Ampeln oder im Stau kurbeln sie die Fenster hoch, damit keiner während das Auto steht etwas klaut. Meiner Gastmama wurde die Handtasche gestohlen während sie am Bahnübergang warten musste.
  3. Wenn sie das Auto abstellen nehmen sie das Autoradio mit. Was nicht da ist kann auch nicht gestohlen werden.
  4. Sie vermeiden es alleine im Dunkeln herumzulaufen, nehmen ein Taxi oder wählen Hauptstraßen für den Heimweg.

Im Allgemeinen hilft es seinen gesunden Menschenverstand anzuwenden und sich nicht all zu viele Sorgen zu machen. Man kann sich auch immer gut an Ladenbesitzer wenden, um etwas über die Gegend  zu erfahren.

Argentinien ist überraschend teuer! In den letzten 10 Jahren sind hier die Lebenshaltungskosten um bis zu 100% gestiegen, während die Löhne und Gehälter nur marginal angestiegen sind. Die wirtschaftliche Lage resultiert in interessanten Wohnverhältnissen. Die jungen Leute in Buenos Aires können es sich aufgrund der gestiegenen Mieten nicht leisten aus dem Elternhaus auszuziehen und leben daher mit den Eltern bis sie genug Geld zusammengespart haben, heiraten, oder bis ein wohlhabendes Familienmitglied stirbt. Traurig… aber wahr.

Musik
Südamerika ist der perfekte Ort für Musikliebhaber! Für mich war die Musik auch einer der Gründe für meine Reise nach Argentinien. Was in Asien das billige Essen war ist hier die Musik – es gibt mehr davon als man haben kann! Argentiniens Herz schlägt im Tangorythmus. Tango ist auf den Straßen zu sehen und es tönt emotionale Tangomusik aus den Straßenständen. Ich hatte das Glück ein kostenloses Tangokonzert im Herzen Buenos Aires mit den Größen des Tangos zu erwischen und habe so gleich noch ein wenig Kultur mitbekommen. Neben Tango gibt es natürlich noch die anderen bekannten Musikrichtungen: Salsa, Samba, Reggaeton, Bachata, Cumbia und viele mehr. Argentinier lieben die Musik und ich auch!


Nächste Station: Iguazu Wasserfälle!

2011-10-31

Städtetrips in Schweden

Die letzten beiden Wochen habe ich mit Städtetrips nach Stockholm und Uppsala verbracht. Die Ausflüge waren nicht nur geplant, um dem etwas beengten Wohnverhältnis auf 26m² etwas Luft zu lassen, oder meinem Freund Zeit zu geben sich auf seinen bevorstehenden Mathetest vorzubereiten, sie waren besonders Teil meiner Mission „Weltreise“. Da ich zum ersten Mal in Skandinavien bin, will ich auch Land und Leute kennenlernen! Auf dem Plan stand: Sightseeing in der Hauptstadt Schwedens + Kultur und Menschen in der größten Universitätsstadt Schwedens, Uppsala!

Stockholm ist eine typische europäische Hauptstadt. Das Einzige was Stockholm signifikant von vielen anderen Städten Europas unterscheidet ist das Wasser das die Stadt umgibt und in viele Inseln zerteilt. Die Stadt mit ca. 855.000 Einwohnern erstreckt sich über 14 Inseln, die mit 53 Brücken verbunden sind. Der gesamte „Schärengarten“ (archipelago) beläuft sich laut Wikipedia jedoch auf 24.000 Inseln, die teilweise nur so groß wie das Grundstück eines durchschnittlichen Einfamilienhauses, oder gar unbewohnt sind. Wenn man eine der Bootstouren durch Stockholm bucht, kann man viele der Inseln im Vorbeifahren bewundern.


Das Hostel „Moosebacke“, das sich in einem renovierten und umgebauten ehemaligen Kino befindet, liegt im „In“-Vierteil Södermalm, das sich durchaus mit Berlin Mitte vergleichen lässt und südlich der Innenstadt Stockholms liegt. Das frühere Fabrik- und Arbeiterviertel wurde seit 2007 zum Szeneviertel umfunktioniert. Die Fabrikgebäude wurden in Wohnhäuser umgewandelt und das Gebiet südlich des Folkungsgatan wurde „stylish“ in „SoFo“ in Anlehnung an New York´s „SoHo“ getauft. Hier tummeln sich viele Bars, Cafés und individuelle Designerläden, die Vintagekleidung, Sportartikel und selbstgebackene Bio-Kekse verkaufen. Ich verbringe den ganzen ersten Tag damit all die kleinen Winkel SoFo´s, die Secondhandläden, Plattengeschäfte, Galerien und Cafés zu entdecken.



Street Art in Södermalm

Den Rest der Woche habe ich ausgiebig Zeit mich in Stockholm zu verlieben. Ich liebe die wunderschönen Häuser der Jahrhundertwende, die Wasserfront, den Sonnenschein, die Cafés, die freundlichen und ausgezeichnet Englisch sprechenden Einwohner und ganz allgemein den Stil, den Stockholm für mich verkörpert. Die Menschen hier sind gut gekleidet, ausgeglichen, freundlich, und tolerant gegenüber allen Nationalitäten oder Ansichten. In Stockholm entdeckte ich Kinderwagenrampen an jeder auch noch so kleinen Stufe, ganze STOCKWERKE für Kinder mit Spielsachen in öffentlichen Gebäuden, kostenlose Ausstellungen und Informationsmaterial und sogar fröhliche Mitarbeiter im öffentlichen Dienst! Von einer Bekannten, die ich in Stockholm getroffen habe hörte ich: „Wow, die haben wirklich viele schwule Nannys hier in Schweden!“ In Wirklichkeit handelt es sich um junge, sportliche, gut aussehende Väter, die sich nicht dafür schämen in Lederjacke und mit Babytrager mit ihrem Nachwuchs in der Stadt herumzulaufen. Mit dem Gefühl, das in Stockholm die Welt in Ordnung ist, verlasse ich die Stadt und fahre am Montag drauf mit dem Zug nach Uppsala.

Uppsala ist mit ca. 23.000 Studenten eine der größten Universitätsstädte Skandinaviens. Die Studenten in Uppsala sind in Studentenorganisationen, den sogenannten „Nationen“ organisiert. Als Student und Mitglied einer Nation hat man volles Programm die ganze Woche über und hat die Qual der Wahl zwischen Kostümparties, Karaokenächten, offiziellen Bällen, klassischen Studentenparties und Filmnächten. Außerdem kommt man als Student in den Genuss der studentischen Essensangebote, wie z.B. das Mittagsbuffet, das zu erschwinglichen Preisen angeboten wird. Als nicht-Student muss man jedoch fast schon als Aussätziger leben. Die Türsteher der Nationen sind angewiesen keine Nicht-Studenten reinzulassen und dürfen dabei keine Ausnahmen machen und für Essen in Schweden muss man ein kleines Vermögen ausgeben.

Ich habe mich als Freiwillige gemeldet, um am 30. Internationalen Kurzfilm Festival in Uppsala mitzuhelfen. Mein Posten ist das Gästebüro, an das die Regisseure herantreten, um sich am Festival anzumelden, sich Informationsmaterial abzuholen oder einfach nur einen Kaffee zu trinken und etwas Gesellschaft zu haben. Insgesamt sorgen 150 Volontäre aus aller Welt für einen reibungslosen Ablauf in der Festivalwoche. Die Festivalorganisation bedankt sich dafür mit einem Wochenpass für das Festival und somit freien Kurzfilmvorstellungen. In der Woche in Uppsala lerne ich Freiwillige (meist Austauschstudenten) aus Venezuela, England, Burkina Faso, Frankreich, China, Lybien, Schweden und Deutschland kennen. Wenn gerade kein Gast versorgt werden muss unterhalten wir uns über die Schulsysteme unserer Länder und staunen über die Kindheitsgeschichten unserer Kollegen. Die Hintergründe könnten nicht unterschiedlicher sein, doch mit einem einheitlichen Gedanken und der englischen Sprache ist es uns möglich zu lernen und zu teilen.



Die Woche vergeht wie im Flug und gerade als ich anfange zu realisieren wie viel Zeit bereits vergangen ist, finde ich mich im Zug Richtung Östersund wieder. Home sweet home!